Eine kleine Geschichte des Spielzeugs

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Spielzeuge sind Ausdruck unserer menschlichen Phantasie und Kreativität. Seit jeher haben Menschen gespielt – nicht nur Kinder. Altes Spielzeug aus Blech und Holz ist mittlerweile selten und wird von Sammlern auf der ganzen Welt begehrt. Doch was macht den Reiz von altem Spielzeug aus?

Es begab sich zu einer Zeit, als der Kunststoff noch nicht erfunden war und Spielzeug vorwiegend aus Holz oder aus Blech hergestellt wurde – das 19. Jahrhundert. Es ist nicht verwunderlich, dass namhafte Spielzeughersteller aus den holzverarbeitenden Regionen wie Nürnberg und Augsburg stammen. Damals noch in Handwerksbetrieben, die eher Manufakturen glichen – also, wo jedes Bauteil noch von einem Mitarbeiter bearbeitet wurde – entstanden die berühmten Docken. Diese geschnitzten oder gedrechselten Puppen erfreuten sich besonders bei den Mädchen großer Beliebtheit. Hieraus entwickelte sich später die altbekannte deutsche Puppenstube, eine komplette häusliche Miniatureinrichtung aus Holz.

Dampfgetriebenes Spielzeug der jungen Firma Märklin

Während die Mädchen vor allem von den Puppen in einen Bann gezogen wurden, waren die Buben sehr interessiert an den kleinen Dampfmaschinen der damals noch sehr jungen Firmen Märklin und Bing. Deren Eisenbahn war das erste dampfbetriebene und schienengebundene Spielzeug der Welt. Viele Drechsler und Spielzeugmacher spezialisierten sich in dieser Zeit, im angehenden 20. Jahrhundert, auf Miniaturfahrzeuge. Der Nürnberger Spielzeughersteller Siegfried Günthermann lieferte seine Miniatur-Nutzfahrzeuge sogar in die USA. In vielen Betrieben wurden darüber hinaus auch die Feiertagsdekorationen, etwa Osterhasen und Nikoläuse, hergestellt, um auch Artikel für Erwachsene bereitzustellen. Aber auch einige Spielzeuge, vor allem Blechfiguren, waren bei den Erwachsenen beliebt, wie zum Beispiel die 20cm große Figur “Le Pochard”, hergestellt 1899 von der Firma Fernand Martin in Paris.

Die Zinnsoldaten, die vor allem in Nürnberg und Fürth hergestellt wurden und seit ihrer Entstehung im 13. Jahrhundert flach waren, konnten dank modernster Technik nun auch als dreidimensionale Figuren hergestellt werden. Schon in ihrer flachen Form waren sie eines der ersten Spielzeuge, die sich in Serie produzieren ließen. Die Firma W. Britain konnte im Jahre 1893 die Produktion gegenüber den deutschen Herstellern enorm verbessern, indem die Soldaten durch ein spezielles Gießverfahren innen hohl waren. Durch die Materialersparnis konnte man die Figuren deutlich günstiger verkaufen. Man darf dabei nicht vergessen, dass das Spielzeug nun auch für viele ärmere Bürger erschwinglich wurde und in diesen Familien die Kinder kaum mit solch hochwertigem Spielzeug in Berührung kamen.

Lernen und Spielen

Für Lernzwecke wurde dieses Spielzeug freilich noch nicht verwendet. Die pädagogischen Aspekte von Spielzeug wurden erst nach Ende des zweiten Weltkrieges populär. Welchen Einfluss Spielzeug für die kindliche Entwicklung hat, ist bis heute umstritten. Die Kompetenz, mit ihrer Umwelt umzugehen und auf sie Einfluss zu nehmen, lernen Kinder jedoch zunächst im Spiel. Viele Hersteller sind daher recht schnell dazu übergegangen, ihre Produkte mit dem Zusatz “pädagogisch wertvoll” zu bewerben. Für die Jungs gibt es vor allem Spielzeug, die Grundlagen der Mechanik vermitteln, so etwa das sehr erfolgreiche LEGO-Spielzeug mit seinen originellen Bausteinen. Bekannte Marken für beide Geschlechter waren – und sind – vor allem das Lernhilfesysteme mit aktiver Selbstkontrolle der Kinder, auch LÜK genannt, und die verschiedenen Baukästen aus Holz, Kunststoff oder Metall.

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Bildnachweis: © S.Menzel – www.historytoy.com